Krassgrün - Stephanie Bayer

Praktikanten-Blogger

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Stephanie Bayer

Stephanie Bayer

Meine Fähigkeiten und Kenntnisse in der englischen Sprache konnte ich auf jeden Fall ausbauen. Bezüglich Mülltrennung und Waffenpolitik muss man nicht einer Meinung mit den Amerikanern sein.

Weinbau in den USA

Bei dem Praktikumsbetrieb handelt es sich um ein Weingut, welches im Russian River Valley im Anbaugebiet Sonoma County zu Hause ist. Gegründet wurde es von Don und Jennifer Hartford im Jahre 1994.

 

Hartford Family Winery zeichnet sich durch die Herstellung von Weinen aus einzelnen Weinbergen aus. Die 25 verschiedenen Einzellagen bringen ausdrucksstarke und persönliche Weine heraus, was besonders durch Terroir und Klima beeinflusst wird. Hierzu gehören die Hauptrebsorten Spätburgunder und Chardonnay, aber auch die in kleineren Mengen produzierte Sorte Zinfandel. Die Weinbergslagen des Weingutes reichen von nahe gelegenen Gebieten des Weingutes bis hin zu Lagen in Oregon und Santa Barbara.

Im Herbst werden alle Trauben mit der Hand gelesen, meist zur Abendstunde oder in der Nacht, sodass die Trauben morgens gekühlt im Betreib ankommen. Dort wird das Verfahren in rote und weiße Rebsorten aufgeteilt. Die weißen Trauben kommen direkt auf die Presse, hier durchlaufen sie einen Pressdurchgang mit mehreren Presszyklen. Der Vorlauf der Presse kommt in einen Tank, nach Erreichen des Faktors „Galons per Tonn“ wird der Most getrennt und der Nachlauf kommt in einen separaten Tank. Der Most bleibt über Nacht im Tank und sedimentiert, hierbei setzt sich der Trub am Boden ab und trennt sich vom klaren Most. Am nächsten Morgen wird mit Hilfe von Pumpen der klare Most in einen neuen Tank abgezogen. Je nach Qualität, Lage und Art des Mostes wird er abschließend in Barrique Fässer gefüllt oder bleibt im Edelstahltank. Die roten Sorten laufen zuerst über das Sortierband. Hier werden vorab Traubenblätter und faule Traubenhenkel aussortiert, danach werden diese entrappt und anschließend auf einzelne faule Traubenbeeren untersucht und ggf. aussortiert.

Nachdem Sortiervorgang werden die Rotweintrauben in Tanks geschüttet, welche keinen festen Deckel haben und oben offen sind. In diesen Tanks wird zweimal täglich die Maische gestampft. Dafür gibt es zwei Verfahren zum einen Punshdownsticks, die zum Teil manuell zum anderen pneumatischen funktionierten und Pump-Over. In diesem Fall wird ein Set-up aus Pumpe und Schläuchen aufgebaut um die Maische vom Tankboden abzuziehen und auf dem Maischekuchen wieder zu verteilen. Gestampft wird solange bis die Maische durchgegoren ist und diese gepresst werden kann. Gepresst wird in einer Korbpressen. Auch hier wird nach Qualität, Lage und Art unterschieden um den weiteren Verlauf in Barrique und Edelstahl zu unterscheiden. Das Labor prüft täglich alle analytischen Werte der kompletten Tanks. Je nach Ergebnis der Daten werden Nährstoffe, Hefe oder Weinsäure hinzugegeben.

Meine Gastfamilie wohnt in Santa Rosa, einer Stadt die ca. 20 Minuten südöstlich vom Weingut entfernt liegt. Sie gehört mit einer Fläche von knapp 105 km² und einer Einwohnerzahl von 175.155 zur größten Stadt im Weinbaugebiet Sonoma County. Zur meiner Gastfamilie gehören Nina und Deeke Seliga, ihre zwei Söhne Mateo (15 Jahre) und Andrew (19 Jahre) sowie Familienhund Sonic und die zwei Katzen Kitty und Max. Der Empfang Anfang August war herzlich und wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden. Die sogenannte Granny Unit, welche sich im Garten befand, war für drei Monate mein Zuhause. Durch einen separaten Eingang hatte ich sowohl genügen Privatsphäre, als auch den direkten Kontakt zur Familie. Die Gastfamilie war in jeder Hinsicht sehr fürsorglich und ich habe mich zu jeder Zeit sehr wohl dort gefühlt. Wir stehen auch weiterhin in Kontakt und Besuche in Amerika, als auch in Deutschland sind nicht auszuschließen.

Meine Fähigkeiten und Kenntnisse in der englischen Sprache konnte ich auf jeden Fall ausbauen. Durch viele Gespräche mit der Gastfamilie und Arbeitsanweisungen im Weingut konnte ich besonders mein Verständnis verbessern. Da Netflix nur in Englische Sprach verfügbar war, mussten Serien und Filme auf Englisch geschaut werden. Was wiederrum beim Verständnis der Sprach geholfen hat. Auch mein Wortschatz hat sich erheblich erweitert. So konnte ich in den vier Monaten viele neue Wörter kennen lernen, die ich direkt aufgenommen und angewendet habe.

Amerika ist auf jeden Fall europäisch geprägt, deshalb war der kulturelle Unterschiede nicht riesengroßen, im Vergleich zu asiatischen Ländern. Unterschiede konnte ich auf jeden Fall zwischen Ost- und Westküste erkennen. Im Osten sind alle Menschen sehr beschäftigt, im Vergleich zum gemütlichen Westen. Der Süden zeichnet sich besonders durch seine mexikanisch bzw. Hispanic geprägte Kultur aus. Allerdings habe ich viele positive Erfahrungen gemacht, auf beiden Seiten des Landes. Stand ich mal etwas verloren mit einem Standplan herum wurde ich direkt angesprochen ob ich Hilfe benötige. Bezüglich Mülltrennung und Waffenpolitik muss man nicht einer Meinung mit den Amerikanern sein.

Meine Erwartungen wurden erfüllt. Ich habe mich auf spanende und aufregende vier Monate gefreut. Durch die ersten Wochen alleine bin ich selbstbewusster geworden und hab Verantwortung übernommen. Ich konnte unglaubliche Städte und wahnsinnige Naturschauspiele betrachten, die mich für einen Moment sprachlos gemacht haben. Der Kauf bzw. Verkauf eines Autos, eröffnen eines Bankkontos und Gänge zu Ämtern war eine riesen Herausforderung, aber auch das habe ich gemeistert und kann dadurch sagen selbstständiger geworden zu sein.