Krassgrün - Christin Albers

Praktikanten-Blogger

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Christin Albers

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Porridge, Klauenpflege und unberechenbares irisches Wetter...

Milchviehhaltung in Irland

An Mittwoch den 1.August 2018 flog ich nach Irland, um ein Praktikum auf einem Milchviehbetrieb mit Grünland und 60 Milchkühen, sowie 20 Bullen zu machen. Die Grafschaft nennt sich Kilkenny und mein Betrieb und die Gastfamilie Raftice gehören zu der Kleinstadt Mullinavat. Neben der Milchviehwirtschaft zieht der Betrieb noch Bullen zum Schlachten auf. Die Rasse der Milchkühe ist British Friesian, welche weniger Milch geben als die Holstein Friesian, dafür aber mehr Fleisch ansetzen, und die Rasse der Fleischbullen und Rinder Angus. Als Trecker Marke besaß der Betrieb 3 New Hollands, wovon einer ein eher neueres Modell war.

Zu Beginn meines ersten Arbeitstages habe ich morgens vor dem Melken mit der Familie Porridge gefrühstückt, anschließend bin ich zum Melken gegangen. Der Cousin von meinem Gastvater melkte zu Anfang mit mir, da sich Patrick (mein Gastvater) an der Hand operiet wurde und deshalb nicht melken konnte. Die 60 Milchkühe werden in einem Swing-over Melkstand gemolken. Auf jeder Seite stehen 10 Kühe. Das Melken ist in der Hinsicht anders als in Deutschland, da die Kühe nicht vorgemolken werden, sondern die Zitzen mit einem Papiertuch gereinigt werden und sofort angehangen werden. Anschließend werden die Zitzen mit einer Pflegekomponente besprüht und auf eine Verhärtung untersucht. Nach dem Melken werden die Kälber auf der Weide mit Milch gefüttert. Das ist eigentlich untypisch für den Betrieb, aber da zurzeit eine große Trockenheit herrscht und es nicht genug Futter gibt. Außerdem erhalten alle Tiere Kraftfutter die Kühe, Kälber und auch die Bullen.

 

Nach weiteren Arbeitstagen stand nun das Wochenende in Cork an. Morgens um 8.00 Uhr nahm ich den Bus von Waterford um nach Cork zu fahren. Um kurz nach 10 war ich da und traf dort auf ein Mädchen namens Merle aus Lüneburg. Mit dieser hatte ich mich hier verabredet. Gemeinsam erkundeten wir Cork mit dem Hop on und Hop off Bus und fuhren am Shandon Bell, dem City Goal, den english market und noch weiteren Sehenswürdigkeiten vorbei. Das Wetter war leider gar nicht gut es regnete ununterbrochen.

Wir machten uns mit dem Bus auch auf zum Blackrock Castle und abends erkundeten wir das Nachtleben, sowie die Pubs von Cork. Bei irischer Live Musik im The Oliver Plunkett ließen wir uns das irische Guiness gut schmecken. Am nächsten Morgen fuhren wir nach Blarney. Dort gingen wir in den Blarney Woolen Mills. Das Castle war sehr eindrucksvoll und touristisch sehr gut besucht. Alle wollten den Blarney Stone küssen, der einem das freie Sprechen verleiht.

 

Sehr spannend für mich, war der Tag, wo der Klauenpfleger kam und die drei humpelnden Tiere behandeln sollte. Einerseits ähnelte es sehr der deutschen Variante, andererseits unterschieden sich die Behandlungsmethoden extrem. Zwei Kühe hatten eine extreme Entzündung unter einer Klauenhälfte und bekamen deshalb einen Klotz, um diese Hälft zu entlasten. Denn nur so kann die Klaue ausheilen. Doch wo wir in Deutschland einen Holzklotz benutzen und diesen an der Klauensohle festkleben, wird hier eine Kunststoffsohle verwendet, die wie bei einem Hufeisen mit Nägeln und Hammer an der Klaue fixiert werden. Denn diese Variante wäre wesentlich günstiger hier in Irland, klärte mich der Klauenpfleger auf. Er verwendete keinen Verband, da der wenn nach 3 Tagen abgenommen werden müsste. Da die meisten Bauern hier gar keinen Klauenstand besitzen, wären diese dazu gar nicht fähig. Die Kuh mit der Nummer 710 wollte partout nicht in den Klauenstand und da sie schon öfter über einige Gitter gesprungen ist, haben wir sie laufen lassen. Patrick, mein Gastvater meinte sie würde der Teufel reiten und in ihren Augen war so etwas wildes, was diese Aussage nur zu bestätigen schien.

Fachlich zu dem Thema Landwirtschaft vermittelte das Praktikum viele neue Eindrücke, Arbeitsweisen und ein ganz anderes System von Milchviehwirtschaft mit Weidehaltung. Es war somit höchst interessant zu sehen wie auch diese Art wunderbar funktioniert. Dennoch gab es einige Unterschiede. Zum Beispiel sollen die Tiere robust sein hohe Milcheiweiß-, sowie -fettegehalte haben und brauchen nicht 10.000 Liter Herdendurchschnitt zu haben um als gut eingestuft zu werden. Hier liegt der Herdendurchschnitt bei ungefähr 5.000 Liter im Jahr. Außerdem werden die Klauen bei manchen Tieren keinmal im Leben geschnitten, wenn sie nicht lahmen oder ähnliches. Denn durch diese intensive Weidehaltung werden die Klauen so sehr abgenutzt, dass dieses gar nicht notwendig ist. Wo in Deutschland hingegen, meist 2 mal im Jahr mindestens Klauenpflege vorgenommen wird, aufgrund der ganzjährigen Stallhaltung oder nur stundenweise Weidehaltung.

 

Auch das Wetter hier ist ein Mysterium für sich an einem Tag kann es manchmal jede Wetterform geben, Sonne, Regen, Sturm, Wolken …

Die Integration in das Familienleben, habe ich sehr genossen. Oft war ich bei Ausflügen zu Spielplätzen oder ähnlichem dabei. Und wenn ich wollte konnte ich jederzeit mit den Kindern mitspielen. Dennoch wurde auch viel Wert auf Privatsphäre gelegt und ich hätte mich zu allen Tageszeiten zurückziehen können, um ein wenig Zeit für mich zu haben.

Die meiste Zeit habe ich in meinem Praktikum mit Patrick, dem Gastvater verbracht. Ob auf dem Feld oder im Stall, überall wurde ich mithingenommen. Ich fühlte mich Ernst genommen, wenn ich einen Vorschlag machte und mir wurde auch viel Verantwortung übertragen, wie zum Beispiel beim Gülle fahren. Egal welche Frage ich auch stellte Patrick beantwortete sie mir immer geduldig. So kamen wir zu einem guten Arbeitsverhältnis und ich arbeitete gern mit ihm zusammen. Auch wenn ich bezüglich meiner Unternehmungen oder Ausflüge mal nicht weiterwusste, halfen mir meine Gasteltern gerne weiter und wussten Rat und Tat um alles so zu drehen, dass ich mich wohlfühlte.

 

Deshalb kann ich meine Gastfamilie und den Betrieb an sich nur wärmstens weiterempfehlen und richte ein großes Lob an diese. Wenn man den Umgang mit kleinen Kinder mag, sowie Kühe und generell das Farm leben, wird man sich auf dieser Farm sehr wohlfühlen.

 

Die Leute sind unglaublich nett und offen hier. Wenn du jemanden ansprichst und um Hilfe bittest bekommst du immer eine freundliche Antwort. Außerdem gefällt es mir das man sich auf dem Land immer auf der Straße grüßt, egal ob man sich kennt oder nicht. Ich denke sogar wir deutschen könnten im Umgang mit Menschen von den Irländern lernen. Auch die Ruhe, die besonders mein Gastvater Patrick an den Tag legt, empfinde ich als sehr positiv. Ich glaube die Menschen hier sind nicht schnell aus der Fassung zu bringen, was besonders in der Landwirtschaft sehr nützlich sein kann.

Es war eine wundervolle Zeit in Irland und neben den Menschen ist mir besonders die Landschaft sehr ans Herz gewachsen. Diese satten grünen Wiesen und die vielen Tiere, die auf den Weiden zu sehen sind haben dazu beigetragen. Ich kann jedem nur empfehlen eine Zeit ins Ausland zu gehen, da man sich immer weiterentwickelt und seinen persönlichen Horizont nur erweitern kann.