Krassgrün - Neues aus Uganda

Afrika-Blog

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Neues aus Uganda

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Leben und Arbeiten und dabei noch Land und Leute entdecken!

Wie das geht, und v.a. wie das aussieht, erfahrt ihr hier.

Die letzten Tage in Uganda...

Ein erstes Fazit von Daniela - Januar 2020

Im folgenden zeige ich ein paar Eindrücke aus dem Leben in den Städten und von unserem Ausflug in den Queen Elizabeth National Park. 

Kampala Down Town
Markt in der Stadt Masaka
eine ugandische Schlachterei
Nationalspeise Ugandas: Matooke (Kochbanane) mit Reis
beliebtes Street Food: Rolex
ein paar Masthühner

Die Birinzi-Farm – auf welcher ich die letzten 2,5 Monate verbracht habe – produziert hauptsächlich Erdnüsse für den Export. Es wurden fast jeden Tag Erdnüsse geerntet, sortiert und verpackt, alles per Hand. Sonntags wurde nicht gearbeitet. Es war sehr interessant zu sehen, wie Erdnüsse produziert werden. Ich half in allen Bereichen mit, sowohl auf dem Feld bei der Ernte als auch bei den Maschinenarbeiten.  

Witterungsbedingt wurden aber die Arbeiten häufig eingestellt. Wir hatten sehr häufig viel Regen, so viel gab es seit einigen Jahren nicht mehr und das ist auch nicht typisch für Dezember und Januar. Erik, der Manager, war jedoch immer froh über den Regen, da er dann die Beregnungsanlage nicht benötigte, die 20 Liter Diesel pro Stunde verbraucht.

In unserer Freizeit machten wir einen Ausflug in den Queen Elizabeth Nationalpark. Es war richtig schön dort und wir sahen auf unseren Safaris auch einige Tiere.

 

Da der Manager meiner Hostfarm aus Südafrika kommt und er ganz anders denkt und handelt als die Einheimischen, habe ich das Leben in Uganda sicherlich etwas anders erlebt als wenn ich bei Ugandern gelebt hätte.

Manchmal hatte ich auf meiner Farm auch nicht so viel zu tun, da es eigentlich genug Angestellte gab, die für die anfallenden Arbeiten verantwortlich waren. Ob ich noch einmal so einen Austausch machen werde weiß ich nicht, aber es war auf jeden Fall ein neues aufregendes Erlebnis für mich, das ich nie vergessen werde.

 

Weihnachten in Uganda

Fotos von Lora - Januar 2020

In Vorbereitung auf Weihnachten haben Sarah (die Köchin) und ich Vanillekipferl gebacken. Hier in Katigondo ist es üblich, zu Weihnachten und anderen Feierlichkeiten einen Kuchen vorzubereiten. Die Vanillekipferl waren neu und wurden auf lokale Art mit Erdnüssen statt Mandeln gemacht.

 

An Heiligabend regnete es einige Stunden in Strömen. Laut der Farmer hat es hier dieses Jahr so viel geregnet wie seit 20 Jahren nicht mehr. Auf der Farm ist es deswegen besonders herausfordernd, gegen das ganze Unkraut anzukämpfen. Einige Straßen und Brücken in Uganda sind überschwemmt oder zerstört.


Am 24. 12. wurde ich abends in die kleine Kapelle der Schwestern eingeladen, die ebenfalls hier in Katigondo leben. Dort gab es einen Gottesdienst und anschließend ein offenes Beisammensein mit gutem, ugandischem Essen.

 

Der 25. 12. ist in Uganda der "Haupt-" Weihnachtstag. Wir haben uns morgens alle in der festlich geschmückten Kirche getroffen und Gottesdienst gefeiert. Auch einige Leute aus dem Umland waren dabei.


Nach dem Gottesdienst begann das ausgiebige "Fotoshooting" vor der Kirche - in allen möglichen Konstellationen und Positionen. Sogar ein Fotograf war da. Auf diesem Foto sind Nikolas und Cleo (hinter mir), die für die Kühe verantwortlich sind. Neben mir sitzt Ivan - wir spielen gerne Volleyball zusammen.

 

Quatsch machen beim Fotoshooting. Das ist eines der vielen Dinge, die ich hier sehr schätze: Die Menschen sind sehr humorvoll und es wird immer, egal ob beim Essen, beim Arbeiten, beim Kochen, beim Entspannen, viel gelacht.

 


Dadurch, dass über die Feiertage so viele FarmerInnen bei ihren Familien und nur einige wenige in Katigondo waren, sind wir "Zurückgebliebenen" besonders zusammen gewachsen. Dieses Foto zeigt einige von uns.

 


Einer der Farmer, Junior, hat mich am 25. 12. nachmittags zu seiner Familie eingeladen. Er wohnt unterhalb der Bananenplantagen von Katigondo und ist also fußläufig erreichbar. Das Foto zeigt sein Zuhause und den Abwasch vom Mittagessen – weil Weihnachten ist, wurden viele verschiedene Gerichte zubereitet. Ein Großteil seiner Familie hat die Großeltern im benachbarten Dorf besucht. Seine Mutter und ein paar Brüder waren zu Hause.

 

Später kam der Tierarzt vorbei, um einige der Schweine von Junior zu impfen. Spontan wurde auch entschieden, ein paar Ferkel zu kastrieren: Dazu wurden sie in eine Bananenpalme geklemmt und los ging's...


Besonders schön ist das Volleyball spielen mit den FarmerInnen. In der letzten Woche trafen wir uns fast täglich. Ich schätze es sehr, sie noch einmal von einer anderen Seite kennen zu lernen als nur bei der Arbeit.

 

Wenn man hinter der Farm ein Stück durch den Eukalyptus-Wald geht, kommt man auf einen Hügel, von dem aus man weit über das Land und die Farm blicken kann. Ich bin gerne dort oben und genieße einfach die Aussicht.

 

Hot Pepper Nursery – Peperoni-Setzlingsproduktion in Uganda

ein fachlicher Beitrag von Brigitte - Dezember 2019

Wer mag es scharf?

In meiner ersten Woche in Magere, Uganda, erhielt mein Host Joseph Male den Auftrag, für einen Kunden in der Jinja-Region 115.000 Peperoni-Setzlinge zu produzieren. Am 5. November begannen 20 Arbeiter und ich mit der Setzlingsproduktion. Bei knapp 30°C Außentemperatur und gefühlt 100% Luftfeuchtigkeit eine doch sehr anstrengende Aufgabe, vor allem im Greenhouse. Zur Produktion wurde die holländische Hybrid-Sorte „Loleza RZ“ African Hot Pepper (Capsicum Chinense) der Firma Rijk Swan genutzt, die mein Host selbst vertreibt. Ein Samen kostet 205 UGX (Ugandische Schilling). Die etwa einen Monat alten Setzlinge wurden dann am 10. Dezember für 500 UGX pro Pflanze verkauft. Als Flüssigdünger wurden „Crop Max“ und „Easy Grow Starter“ eingesetzt. Pflanzenschutz wurde in den vier Wochen mit Dudu Accelementine/Abemectine betrieben. Nach Abzug aller Kosten wurde ein Reingewinn von 30 Mio. UGX erzielt (etwa 7500€).

 

Im Folgenden möchte ich einen Überblick über die Peperoni-Setzlingsproduktion in Uganda geben.

Was wird wie gemacht und was ist zu beachten?

 

 

Was sind Peperoni überhaupt?

 

Die Peperoni, auch bekannt als Pfefferone, ist eine Pflanze, die vor allem in tropischen Regionen angebaut wird. Sie wächst sehr gut in humiden und warmen Klimazonen, der Boden sollte durchgängig feucht sein.

 

Je nach Verfügbarkeit von Wasser kann das ganze Jahr über geerntet werden.

 

Die Pflanze wird besonders auf dem Exportmarkt (Europa, Arabien) stark nachgefragt. Die Ugander selbst essen nur sehr ungern scharf, auf dem lokalen Markt spielt Peperoni demnach keine sehr nennenswerte Rolle.

 

 

Bodenaufbereitung

 

Es ist wichtig, die Pflanzerde feucht zu halten, übermäßiges Gießen sollte jedoch vermieden werden, da es zur Verrottung der Pflanzen führen kann. Schwarzer Lehmboden/Pflanzerde (Potting Soil) ist am besten für die Setzlingsproduktion geeignet.

 

Peperoni benötigt Böden mit einer mäßigen Fruchtbarkeit, um wachsen zu können.

 

Die Pflanzen sind tolerant gegenüber einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6,8.

 

 

Vorbereitungen zur Aufzucht

Die Samen sollten in einem Anzucht-Tray (66 Pflanzplätze) aufgezogen werden, nach 4-6 Wochen können die Setzlinge in das Feld transplantiert werden. Für die Vorbereitung der Anzuchtbeete ist es wichtig, dass die Pflanzerde nicht zu heiß sondern eher kühl ist. Das Tray wird mit Pflanzerde befüllt und es wird jeweils eine flache Furche mit dem Finger gezogen. Pro Pflanzplatz wird ein Samen eingelegt. Das Tray wird dann leicht mit Pflanzerde bedeckt und angegossen. Die anschließende Ausbringung eines Pflanzenschutzmittels ist angeraten, da dadurch ein gleichmäßiges Wachstum der Setzlinge gefördert werden kann. Ebenfalls werden dadurch die Verbreitungsmöglichkeiten von Pilzerkrankungen und Schädlingen (vor allem blattfressende Schädlinge) verringert.

 

 

Umpflanzen der Peperoni und Unkrautbekämpfung

Die Setzlinge sind zur Verpflanzung bereit, wenn die Pflanze zwischen fünf und acht Blätter ausgebildet hat. Dieses ist in der Regel nach 30 Tagen ab Aussaat der Fall. Bevor die Pflanzen rausgepflanzt werden, sollte sichergestellt sein, dass das Tray feucht genug ist, um eine zu starke Stressung der Setzlinge zu vermeiden. Der Transfer sollte am frühen Morgen oder auch am Abend erfolgen, wenn das Wetter möglichst kühl ist.

 

Erdnussanbau in Bildern

Ein fachlicher Foto-Beitrag von Daniela - Dezember 2019

Auf Danielas Gastbetrieb, der Birinzi Farm, geht es vor allem um den Anbau von Erdnüssen. Produziert wird vor allem für den Export in die EU, teilweise auch für den heimischen Markt.

Auf den folgenden Bildern werden die verschiedenen Schritte des Erdnussanbaus vorgestellt - von der Feldvorbereitung bis zum Abpacken.

 

 

Auf der Farm gibt es drei Kreisregner. Zwei davon beregnen im Halbkreis, der dritte im kompletten Kreis (oben links). Bewässert wird mit Wasser aus dem Birinzisee. (Auf der Karte ganz unten zu sehen.)
Feldvorbereitung mit Scheibenegge und Grubber
die Sämaschine
Zurzeit wird nicht künstlich bewässert, weil es gerade sehr viel regnet.
Die Pflanzen werden mit der Maschine gelockert, wobei die Tonnen lediglich als Gewicht verwendet werden.
Danach können die Pflanzen leichter von Hand aus der Erde gezogen und die Erdnüsse geerntet werden.
Nach der Ernte werden die Erdnüsse auf dem Kipper gewaschen und so von Sand und Erde berfreit.
Danach werden die Erdnüsse sortiert.
Die gute Ware ist für den Export in die EU, die weniger guten Erdnüsse werden auf dem heimischen Markt verkauft.
Je nach Witterung müssen die Erdnüsse dann noch mindestens einen Tag lang trocknen.
Am Ende werden sie in Säcke abgepackt und verkauft.

Die 5. UNYFA Agribusiness Tour - 25. – 30. November 2019

"Let's farm to feed the world, create employment and earn a living."

Unter diesem Motto findet die diesjährige Agribusiness Tour statt. Die Tour ist ein fünftägiger ‚farmer to farmer exchange‘, organisiert von unserer Partnerorganisation, dem ugandischen Jungbauernverband UNYFA. Landwirte, Azubis und Betriebsleiter teilen ihr Wissen und ihre Erfahrungen, besichtigen Betriebe und erfahren mehr über Innovationen in ihrer Branche.

Unsere vier Praktikantinnen sind natürlich auch mit dabei und reisen, gemeinsam mit etwa 30 UgandaerInnen aus dem Agrarbereich, eine knappe Woche durch das Land.

 

Und Lora nimmt uns mit auf ihre Reise durch Uganda!

 

 

 

Bwelange-Kawuku Farm bei Entebbe Wakiso

Auf dem Gelände der Farm steht eine Grundschule und die Kinder dort haben die Möglichkeit, landwirtschaftliche Prozesse mit zu erleben und zu gestalten und schon früh ein umfassendes Verständnis von der Lebensmittelproduktion zu erlangen. Es ist schön, dass die Kinder direkt mit integriert werden und somit die Prozesse auf der Farm von Anfang an lernen.

Der eine Teil der Farm ist eine ‚Presentation Farm‘ auf der gezeigt wird, wie auf kleinem Raum möglichst viel angebaut werden kann. Die Schulkinder haben die Möglichkeit, diesen Betriebszweig mit zu bewirtschaften.

Der ander Teil der Farm besteht aus einer Kreislaufwirtschaft mit einer Madenproduktion als Proteinquelle für Schweine, Hühner und Fische.

Fazit des Aufenthalts: Man braucht "nichts", um etwas aufzubauen, sondern alles ist schon da. Die Kunst ist es bloß, die Ressourcen zum richtigen Zeitpunkt bedacht einzusetzen. So wurde für die Madenproduktion zum Beispiel der Mist der Tiere genutzt, diese dienen dann wiederum als Fischfutter.
 

Ein-Acre-Farm-Model: Auf dieser Farm werden viele Früchte und unterschiedliche Gemüsesorten in Säcke gepflanzt, die ein Gemisch aus Erde und Mist enthalten.

 


Weiter geht's zu Cyprian’s Farm

Cyprian ist ein junger Farmer der sich auf Gurken- und Setzlingsaufzucht spezialisiert hat, aber auch Avocados und Papayas anbaut und vermarktet. Gurken sind in Uganda bisher kaum verbreitet. So langsam etabliert sich jedoch ein Markt dafür und Cyprian liefert v.a. an städtische Supermarktketten. Zurzeit ist seine Farm noch im Aufbau. Allerdings verfügt er über eine eigene Wasserversorgung inkl. Wasserpumpe. Nun muss er noch auf den Stromanschluss warten um seine Felder bewässern zu können. Großen Wert legt der junge Farmer auf eine hohe Qualität der Produkte, was wichtig ist, um sich von anderen abzugrenzen und deine Produkte erfolgreich vermarkten zu können.

Am Abend fuhren wir weiter auf die Ssese-Inseln, wo wir spät ankamen, den Abend am Lagerfeuer ausklingen ließen und am nächsten Tag im strömenden Regen am Viktoriasee aufwachten - willkommen in der Regenzeit!

 

Gerade so haben wir die letzte Fähre erwischt, um zu den Ssese-Inseln zu kommen und dann die Überfahrt im Sonnenuntergang genossen.

Unsere Praktikantin Daniela gibt eine Betriebsbesichtigung ihrer Hostfarm

Für den nächsten Tag standen die "Ssese Farm School" und die "Birinzi Farm" auf dem Programm: Bei der Ersten handelt es sich um eine agrarwissenschaftliche Ausbildungsstätte, die Zweite ist die Hostfarm von Daniela, wo Erdnüsse angebaut werden. Dort gibt es ein interessantes Bewässerungssystem, das von dem in der Nähe gelegenen Birinzi-Lake gespeist wird. Ein besonderes Highlight war die Traktorfahrt mit Daniela, die uns über die Farm fuhr. Außerdem schauten wir uns den Anbau von Passionsfrüchten an.

 

In der „Ssese Farm School“ wurden viele Ideen zur Gartengestaltung präsentiert: Hängende Gärten in Plastikflaschen oder –tüten, Hochbeete und der Gemüseanbau in Säcken.

Besuche in den National Parks

Nächster Halt: Lake Mburu Nationalpark. Dort gibt es viele Zebras, wir konnten im Matsch badende Wasserbüffel, jede Menge Antilopen, Warzenschweine und sogar Giraffen beobachten. Im Anschluss ging es weiter zum sogenannten "Afribanana Agribusiness Incubation Center" in Beharwe, das FarmerInnen bei ihrem Neustart unterstützt und Seminare zu verschiedenen Themen wie einer klimafreundlichen Landwirtschaft oder dem Management einer konventionellen Milchproduktion anbietet.

 

Am letzten Tag der Agribusiness Tour besuchten wir den Queen Elizabeth Nationalpark und machten im Anschluss eine Bootstour auf dem Kazinga Kanal, wo wir neben Wasserbüffeln zahlreiche Elefanten, Nilpferde und Seeadler beobachten konnten.

Ich finde es wertvoll, neben der eigenen Hostfarm auch in andere Höfe Einblicke gewinnen zu können. Insgesamt haben wir eine gute Zeit mit den anderen TeilnehmeInnen verbracht, viele Stunden im Auto gesessen und sind Uganda und der lokalen Landwirtschaft ein ganzes Stück näher gekommen!