Krassgrün - Henrike Wöbse

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Henrike Wöbse

Henrike Wöbse

Wer bist du?

Ich bin Henrike Wöbse aus der schönen Mittelweserregion und Spargelregion in Niedersachsen. Ich bin 25 Jahre alt und habe letztes Jahr erfolgreich einen Imkerkurs bestanden.

 

Was ist das Schönste an deiner Ausbildung?

Das schönste am Imkern ist, dass man bei der Arbeit draußen in der Natur sein darf. Ich finde die Arbeit mit den Bienen besonders spannend, da sie an sich sehr ruhige Wesen sind und wie andere Tiere auch nur unsere Stimmung wiederspiegeln.

 

Was machst du, wenn es nicht um das Imkern geht?

Neben dem Imkern gibt es meine Familie und Freunde, die mich in allen in jeder Lebenslage unterstützen. Außerdem gestalte ich in meiner Freizeit gerne meinen Garten um.

 

Welches Ziel hast du für später in deinem Leben?

Ich möchte später zusammen mit der Familie meiner Schwester und meinem Freund den elterlichen Betrieb mit den Schwerpunkten Landwirtschaft und Direktvermarktung (80% Eigenerzeugung) weiterführen.

 

#Blog 57

Das Bienenjahr geht zu Ende

Im Juli neigt sich das Bienenjahr so langsam dem Ende entgegen. Das heißt für uns Imker, der letzte Honig (Sommertracht) wird geschleudert. Dieser Vorgang wird auch „Abschleudern“ genannt.

 

Zunächst gehe ich genauso vor wie beim Schleudern der Frühjahrstracht. Die Bienenfluchten werden 24 Stunden vor dem Schleudern eingesetzt. Nach 24 Stunden wird dann abgeschleudert, aber ich lasse einen Rest Honig in den Waben.

 

Dieser dient als Nahrung für die Brut. Denn anschließend setze ich die Honigräume mit den Waben (diese habe ich vorher etwas mit Wasser eingesprüht) nochmal für 2 Tage auf das Bienenvolk. Nun können die Bienen die Waben sauber schlecken und haben noch etwas Nahrung für die Brut. Es gibt aber noch einen weiteren Grund. Wenn der Futtervorrat abrupt abreißt, hört die Königin auf zu stiften (Eier zu legen). In diesem Jahresabschnitt wäre das schlecht, denn jetzt fängt die Königin an, die ersten Winterbienen zu produzieren.

 

Nach 2 Tagen nehme ich die ausgeschleckten Waben wieder runter und beginne mit dem Wabenaustausch.

Was ist ein Wabenaustausch?

 

  • frisch ausgeschleuderte Waben (helle Waben) werden im Brutraum gegen alte Waben (dunkle Waben) ausgetauscht.

 

Warum mache ich einen Wabenaustausch?

 

  • Zum einen stiftet die Königin besser in helle Waben und zum anderen werden die dunklen Waben so aus dem Brutraum entfernen, dass man am Ende ein sauberes Brutnest erhält.

Was passiert mit den dunklen Waben?

 

  • Die dunklen Waben schmelze ich im Dampfwachssschmelzer ein. Aus dem Wachs stelle ich Kerzen her oder bringe den Wachs zum Fachhandel und bekomme im Austausch frische Wachsplatten für die Rähmchen.

 

Was ist also der Unterschied zwischen Frühjahrstracht und Sommertracht?

Frühjahrstracht

Pflanzenarten:
- Raps, Obstbäume, Löwenzahn, Klee, Flieder und viele mehr…
Farbe und Beschaffenheit des Honigs:
- Je nach Pflanzenart ist der Honig Anfangs dunkler und etwas flüssiger. Die Farbe ist abhängig davon welche Blühten die Bienen anfliegen (dies gilt auch für die Sommertracht)
- Fängt man an, den Honig an zu rühren, wird er heller und cremiger bis fester.

Sommertracht:

Pflanzenarten:
- Bohnenkraut, Kornblume, Lavendel, Linde, Honigtau, Rose und viele mehr…
Farbe und Beschaffenheit des Honigs:
- Durch den Honigtau hat die Sommertracht eine dunkle Farbe und ist cremig
- Fängt man an, den Honig zu rühren, wird es minimal heller, bleibt aber cremig und wird nicht fest.

Ich hoffe, ich konnte euch einen weiteren Einblick in unsere Bienenjahr geben. Bis bald,

 

Eure Henrike

#Blog 54

Die Honigernte beginnt

Der Raps ist nun verblüht und die Honigernte der Frühtracht beginnt.

 

Woher weiß ich, dass der Honig „reif“ ist?

 

Das bestimme ich anhand eines Refraktometers.

  

Wie genau arbeitet man mit dem Refraktormeter?

Ich ziehe die zweite oder dritte Wabe aus dem Honigraum, nehme einen Holzspatel und steche damit in den verdeckelten Honig. Den am Holzspatel haftenden Honig streiche ich vorsichtig auf das Refraktometer. Nun halte ich das Refraktometer in die Sonne, es werden zwei Skalen angezeigt, eine zeigt den Zuckergehalt, die andere den Wassergehalt. Für mich ist die Anzeige mit dem Wassergehalt relevant. Zeigt diese einen Wassergehalt von 16% ist der Honig „reif“. Denn Honig darf beim Ernten einen Wassergehalt von maximal 18 % haben.

Der Honig wird geschleudert

Ein paar Tage vor dem Schleudern bereite ich alles vor, das heißt, Schleuder bereitstellen und Entdecklungsgeschirr & Eimer reinigen.

24 Stunden vor dem Schleudern setze ich die Bienenflucht ein. Sie besteht aus einem Holzrahmen mit einer innenliegenden Platte auf der sich eine Spirale mit Lüftungslöchern und acht Ausgängen befindet. Die Bienenflucht hat die Aufgabe, dass die Bienen, die sich im Honigraum befinden, in den Brutraum krabbeln. Die Platte hemmt den Geruch der Königin und somit gehen die Bienen immer dichter an die Spirale; dort riechen sie die Königin und krabbeln durch die Ausgänge in den Brutraum. Einmal durch die Ausgänge kommen die Bienen nicht wieder in den Honigraum zurück. Am Schleudertag nehme ich dann die Honigräume runter und meistens muss ich nur noch einige Bienen abfegen.

Bevor die Waben geschleudert werden, müssen sie zuvor entdeckelt werden. Bei diesem Vorgang wird die Wachsschicht, die die Bienen zuvor über die Waben gezogen haben, vorsichtig mit einer Entdecklungsgabel entfernt. Danach beginnt der eigentliche Schleudervorgang.

Der ausgeschleuderte Honig läuft von dem Auslasshahn der Schleuder durch zwei Siebe, ein Grobsieb und ein Feinsieb, in einen Eimer. Die Siebe werden verwendet, damit mögliche Wachsstücke nicht in den fertigen Honig gelangen. Am Tag nach dem Schleudern wird der Honig abgeschäumt, da in dem Schaum sich kleine Wachsreste oder Pollenreste befinden können, die doch durch die Siebe gelangen konnten. Ungefähr zwei Tage nach dem Schleudern fange ich an, den Honig zu rühren. Es wird solange gerührt, bis der Honig perlmuttartig glänzt, dann ist er fertig und kann in Gläser abgefüllt werden.

Für mich heißt es jetzt Honig abfüllen, etikettieren und dunkel und kühl lagern bis der Honig in den Verkauf geht. In ca. 4 Wochen schleudere ich die Sommertracht. Ich bin gespannt, wie der Ertrag sein wird. Mit der Frühtracht bin ich sehr zufrieden. Aus meinen 7 Völkern konnte ich 108,5kg Honig gewinnen, im Schnitt 15 kg pro Volk. Wie ich den Honig vermarkte, erzähle ich euch ein anderes Mal! 

 

Eure Henrike

#Blog 51

Honigernte, Schwarmzeit…das Frühjahr ist im vollem Gange!

Seit meinem ersten Blog Anfang April ist viel passiert: die ersten Honigräume sind gut ausgebaut. Die Bienen haben die Mittelwände zu vollwertigen Waben ausgebaut, tragen Nektar ein, den sie dann zu Honig verarbeiten. Drei meiner Völker haben den ersten Honigraum schon so gut ausgebaut, dass ich Anfang Mai den zweiten raufgesetzt habe. Das bedeutet für mich, dass ich bald den ersten Honig schleudern werde.

Warum schwärmen die Bienen?

Wenn die Legefähigkeit der Königin nachlässt, bauen die Bienen Schwarmzellen. Die Königin legt in die Zellen befruchtete Eier und durch die besondere Fütterung mit Gelee Royal (ein Sekret aus den Futtersaftdrüsen und den Oberkieferdrüsen der Arbeiterinnen) schlüpft nach 16 Tagen eine neue Königin. Bevor die Jungkönigin schlüpft, zieht die Altkönigin mit der Hälfte des Volkes und des Futters aus. Diesen Vorgang nennt man dann „ein Schwarm geht ab“. Der Schwarm flüchtet sich dann vorerst in einen nahegelegenen Baum. Späher-Bienen ziehen dann weiter und suchen nach einer geeigneten Bleibe. Um das Schwärmen meiner Völker zu verhindern bilde ich Ableger.

Schwärme können aber auch noch aus anderen Gründen abgehen, wenn zum Beispiel Platz- und Futtermangel besteht oder wenn der Varroamilbenbefall zu hoch ist.

Die drei Bienenwesen kurz erklärt

Im Bienenvolk gibt es drei Wesen. Jedes von ihnen hat unterschiedliche Aufgaben.

 

Die Königin:

Sie ist das größte und wichtigste Wesen im Volk und sie ist das einzige vollwertige Weibchen. Damit sie ihr Volk nicht verliert, sondert sie bestimmte Stoffe aus, sogenannte Pheromone. Mit den Pheromonen hält sie das Volk zusammen und unterdrückt gleichzeitig den Fortpflanzungswillen der Arbeitsbienen. Eine Königin braucht 16 Tage um sich vom Ei bis zur fertigen Biene zu entwickeln. Dann kann sie bis zu 5 Jahren leben, wenn sie ausreichend befruchtet wurde. Oftmals wird gedacht, dass die Königin das Volk „regiert“, aber das ist ein Irrtum.

Die Arbeitsbienen:

Im Volk hat die Gemeinschaft der Arbeitsbienen „das Sagen“. Diese sorgen dafür, dass genügend Zellen für die Eiablage der Königin vorbereitet sind. Außerdem wärmen und versorgen sie die Brut. Aber Arbeitsbienen haben noch weitere Aufgaben, wie zum Beispiel Nektar abnehmen, den Stock putzen, den Stock bewachen und natürlich auch Nektar sammeln. Bis aus einem Ei eine Arbeitsbiene entsteht, dauert es 21 Tage und sie wird ca. 6 Wochen alt (im Sommer) bzw. ca. 6-8 Monate alt (im Winter).

Die Drohnen:

Und dann gibt es im Volk noch die Drohnen, die männlichen Bienen. Die Drohnen werden hauptsächlich in der Vermehrungszeit von April bis Juli aufgezogen: Sie haben eine Entwicklungszeit von 24 Tagen. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, Jungköniginnen zu finden und zu begatten. Dafür sind sie mit extra großen Augen und sehr guten Geruchzellen ausgestattet. Hat sich eine Drohne gepaart, so stirbt sie unmittelbar danach.

Im Spätsommer werden die restlichen Drohnen vom Volk verstoßen, es kommt zur sogenannten „Drohnenschlacht“. Das bedeutet, Völker die eine gute Königin haben, dulden keine Drohnen mehr. Die Drohnen werden nicht mehr versorgt und vom Futtervorrat ferngehalten. Das führt dazu, das sie sterben.

Als nächstes werde ich euch vom Honigschleudern berichten, also bleibt dran!

Eure Henrike

#Blog 50

Frühling im Bienenvolk

Kirschen, Raps und Löwenzahn blühen jetzt Tag für Tag mehr und für uns Imker heißt es dann: Bereitet euch vor!

 

Honigräume werden raufgesetzt, die Drohnenbaurahmen (männliche Bienen) werden eingehängt und die Völker mindestens alle 8-10 Tage kontrolliert. Was heißt das genau?

  

Zu Beginn der Obstblüte werden die Honigräume aufgesetzt und so vom Brutraum getrennt. Das mache ich, indem ich aus dem Brutraum 1-2 Waben mit frischem Nektar und Bienen entnehme und diese in den Honigraum setze, um den Bienen zu zeigen, wo sie hinsollen. Der Honigraum wird mit frischen Mittelwänden (frisch eingelötete Rähmchen) ausgestattet, damit die Bienen die Mittelwände zu Waben ausbauen können. Wichtig ist, dass die Königin von den Honigräumen ferngehalten wird, deshalb baue ich ein Absperrgitter ein. Ist ein Honigraum zu zwei Drittel gefüllt (6 oder 7 volle Waben), wird ein weiterer mit ausgebauten Waben aufgesetzt.

Der Drohnenrahmen ist vor allem wichtig um die Gesundheit des Volkes zu bestimmen. Wird der Baurahmen nicht ausgebaut, kann möglicherweise ein Problem im Bienenvolk vorliegen. Für die Drohnenbaurahmen verwende ich ein einfaches Rähmchen, bei dem ich den Lötdraht entferne und in die Mitte von dem Rähmchen eine Holzleiste schraube, so dass die Bienen statt einem ganzen Rahmen zwei kleine haben. Im Frühjahr wird hier vorrangig die Drohnenbrut angelegen. Zur Varroabekämpfung entferne ich die Drohnenbrut im oberen Bereich und kann so den Befall mit Varroamilbe reduzieren.

Bei der Kontrolle des Volkes alle 8-10 Tage schaue ich nach Stiften (Eiern), dann kann ich mir sicher sein, dass eine Königin im Volk ist. Der Drohnenbaurahmen wird eventuell ausgeschnitten. Außerdem wird das Volk auf Weiselzellen kontrolliert, findet man diese, dann möchte das Volk schwärmen oder eine neue Königin bilden. Um das Schwärmen zu verhindern, bildet man dann von dem Volk einen Ableger (neues Volk). Dort kommt die Waben mit der Weiselzelle rein, 2-3 weitere Brutwaben, zwei Futterwaben und möglichst viele Bienen.

 

Ende April beginnt für uns Imker die arbeitsreichste, aber auch die schönste Zeit. Ablegerbildung, Schwarmkontrollen, eventuell Wanderung und natürlich bald auch die erste Schleuderung… dann geht’s rund!

 

Ich halte euch auf dem Laufenden!

 

Eure Henrike